Das Edge Computing ist einer der Investitionsschwerpunkte in der IT, insbesondere bei unternehmensweiten digitalen Transformationsvorhaben wie dem Internet der Dinge (IoT). Als „Edge Computing“ bezeichnet man Technologien, mit denen Daten und Ressourcen für Benutzer und Geräte zeitnah bereitgestellt werden können. Durch das Edge Computing verlagert sich die Rechenleistung dorthin, wo die Daten erzeugt werden. Das wiederum verkürzt die „Wertschöpfungsphase“ – die Zeit, in der ein Unternehmen aus seinen Daten wertvolle Einblicke gewinnen kann.

Auf den ersten Blick scheint das Edge Computing sehr homogen zu sein und alle Aktivitäten zu bezeichnen, die außerhalb des „Kerns“ – wie der physischen primären IT-Infrastruktur (Informationstechnologie) eines Unternehmens – ablaufen. Tatsächlich ist das Edge Computing jedoch ein Mix aus Multi-Tier-Komponenten, die nach Anwendungsfall oder Workload organisiert sind. Ein „intelligenter“ Edge-Tier dient als wichtige Verbindung zwischen Kern und Endpunkten und bietet einen verteilten Aggregation Layer für Rechenleistung, Datenpersistenz und Netzwerk sowie eine Zwischenanalyse der gesammelten Daten. Bei operativen Technologien – kurz „OT“, oft auch „Betriebs-IT“ genannt – werden Aktuatoren und Controller im Edge-Tier gehostet. Bei Kommunikationstechnologien (CT) dient der Edge-Tier dagegen als Schnittstelle zu Kommunikationskomponenten wie einem Booster oder Relay. Da jedoch noch branchenweite Standards und Architekturansätze für die Edge-Computing-Infrastruktur fehlen, sind die meisten heutigen Edge-Implementierungen stark an den jeweiligen Anwendungsfall angepasst (obwohl angedachte Overlay-Konzepte wie „Fog Computing“ irgendwann zur Ratifizierung vorgeschlagener Standards führen dürften).

CIOs und andere IT-Manager müssen das gesamte Unternehmen und die wichtigsten Interessengruppen auf die notwendigen Schritte vorbereiten, um eine Edge-Computing-Infrastruktur erfolgreich bereitzustellen und zu verwalten. Dabei lassen sich Unternehmen, die das Edge Computing als langfristige Investition betrachten, grob in zwei Kategorien einteilen:

  1. Unternehmen, die sich schon früh für das Edge Computing entschieden haben: Hier wurde in benutzerdefinierte oder teilweise benutzerdefinierte Ansätze investiert und man ist auf einem guten Wege, um von den geschäftlichen Vorteilen einer Datenverarbeitung nahe der Datenquelle zu profitieren. Viele der ersten IoT-Nutzer fallen in diese Kategorie.
  2. Unternehmen, die beim Edge Computing weiterhin unentschlossen sind: Hier wird noch geprüft, wie das Edge Computing in der Produktion eingesetzt werden kann, inwiefern IT-Prozesse angepasst werden müssen und wie sich langfristig Geschäftsvorteile erzielen lassen. Diese Unternehmen werden meistens einen Ansatz mit einer Infrastruktur nach Industriestandard verfolgen.

(Anmerkung: Diese Klassifizierung umfasst keine „herkömmlichen“ Edge-Bereitstellungen wie Außenstellen und Niederlassungen. Stattdessen werden Edge-Implementierungen für neuere Anwendungsfälle wie das IoT, den Einzelhandel oder Telekommunikations-, Öl- und Energieanbieter untersucht.)

Unternehmen der zweiten Kategorie sollten besonders auf folgende Punkte achten, um mehr von einer Edge-Computing-Infrastruktur zu profitieren. Sonst kommt es leicht zu Fehlinvestitionen in unvollständige, suboptimale Lösungen bis hin zu Umsatzeinbußen. Auch können zusätzliche Kosten entstehen, um Probleme zu lösen, die eine unvollständige oder falsch implementierte Infrastruktur verursacht.

  • Für die Infrastruktur-Architektur muss auch eine geeignete Computer-Plattform gewählt werden. Konnektivität und Datenpersistenz sind ebenfalls wichtige Faktoren. Die Plattform muss Bare-Metal-Workloads und virtualisierte Workloads unterstützen. Unternehmen müssen bei der Architektur den Netzwerk-Rand (Edge) als Erweiterung des Netzwerk-Kerns einbindet.
  • Das Asset- und Anwendungsmanagement erfordert die Kontrolle der Netzwerk-Ressourcen sowie eine katalogisierte Bereitstellung und Verwaltung von IT-, OT- und CT-Apps. Das lässt sich mit einer Software-Defined-Infrastruktur erreichen, die den Netzwerk-Rand wie eine Cloud behandelt.
  • Daten-Management und Data Governance umfassen das Lifecycle-Management von Daten, die am Netzwerk-Rand generiert oder gesammelt werden. Flüchtige Daten müssen analysiert und gelöscht, persistente Informationen geschützt werden. Unternehmen müssen ein Daten-Management-Paradigma für den Netzwerk-Kern und Endgeräte am Netzwerk-Rand definieren, damit Daten abhängig von ihrem Wert verwaltet werden.
  • Die Infrastruktur-Security erfordert ein Sicherheitsmanagement für Geräte, Benutzer, Anwendungen und Daten. Edge-Geräte müssen gemäß der Corporate Governance sowie Risiko- und Compliance-Richtlinien verwaltet werden. Hier können Unternehmen ein mehrgleisiges „Always-On“-Sicherheitskonzept fahren.

Unternehmen müssen Infrastruktur-Plattformen wie Stratus ztC Edge evaluieren, die speziell für Edge-Bereitstellungen entwickelt wurden. Solche Appliances sollten folgende Funktionen bieten:

  • Ausführen von Analysen (z. B. vorausschauende Anlagenwartung – Stichwort „Predictive Maintenance“) sowie von SCADA-, Historian- und HMI-Anwendungen, die in OT-Umgebungen zum Einsatz kommen
  • integrierte hohe Verfügbarkeit und Virtualisierung, damit Bare-Metal-, virtualisierte und Container-Anwendungen kostengünstig bereitgestellt werden können
  • Selbstverwaltung, Selbstschutz und Bereitstellung mit minimaler oder gar keiner IT-Unterstützung – dies reduziert ungeplante Ausfallzeiten und gewährleistet die Verfügbarkeit von geschäftskritischen Industrie-Anwendungen
  • robuste Bauweise für einen verlässlichen Edge-Einsatz auch ohne Rack-Installation sowie in eingebetteten oder dezentralen Standorten mit weniger fehlertoleranten Stromversorgungen und Kühlungslösungen
  • Remote-Management für einfachere Routine-Wartungen beim Kunden – die vom Hardware-Anbieter oder einem Managed Service Provider durchgeführt werden

Das Edge Computing bildet eine wichtige Stufe in der Next-Gen-Infrastruktur eines Unternehmens. Dies kann enorme Vorteile bieten – vorausgesetzt, das Edge Computing wird im richtigen Kontext für den richtigen Anwendungsfall mit der richtigen Architektur und den richtigen Technologie-Investitionen implementiert.

Unternehmen, die vom Edge Computing profitieren könnten oder bereits in Edge Computing-Infrastruktur investiert haben, sollten die folgende IDC Perspective als Leitfaden für die optimale Nutzung ihrer zukunftsfähigen Infrastruktur heranziehen.

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